DIE CHRONIK

Die "Akteure": Ravi und seine Familie, unsere Freunde aus Sri Lanka seit mehr als zwei Jahrzehnten.
Die Familie: Heinz und Lisa
Tochter Uschi und Schwiegersohn Andy,
die Kinder Katharina (11), Sebastian (8) und Johannes (5)
Freunde in Sri Lanka:   Die Familien von Ravi und "unsere" Familie in Colombo, das sind Malinee und Piyasiri mit den Töchtern Gayathree und Nadeera, genannt Nadee. Letztere ist Uschis gleichaltrige Brieffreundin seit 1978 und arbeitet bei der UNHCR Sri Lanka, weiters Toni, ein Freund dieser Familie und Hazeeba, ebenfalls eine von Uschis Brieffreundinnen, die wir Hazi nennen.
Die GaLeMos: Eltern der GaLeMo Privatschule in Klosterneuburg-Weidling, einer vor drei Jahren gegründeten Montessori-Schule für 6-15jährige Kinder.
Die Bunte Welt: Leiterin, Betreuerinnen und Elternkreis des "Bunte Welt" Montessori-Haus für Kinder in Greifenstein.

Lisa's Aufzeichnungen
26.12.2004 Entsetzt hören wir von der Flutkatastrophe in Südostasien. Der Zauber von Weihnachten ist schlagartig vorbei. Wir rufen unsere Freunde in Colombo an und hören erleichtert, dass sie nicht betroffen sind; versenden SMS und E-mails an unsere anderen Bekannten und hören, dass auch sie nicht zu Schaden gekommen sind. Hazeeba, die wir erst im November anlässlich unseres letzten Sri Lanka Aufenthaltes besuchten, hat allerdings einen Schock erlitten, weil die zwei älteren ihrer drei Kinder, nämlich Naadhia und Nabeel bei ihrer Mutter in Beruwala waren, als die Flutwelle eintraf - deren Haus ist nur 50 yds (=ca. 15 m) vom Meer entfernt. Gottseidank sind alle rechtzeitig in das Haus eines Verwandten, 200 m weiter weg und auf einem Hügel gelegen, geflüchtet, als die Flutwelle das Haus von Hazis Mutter erreicht - es entstand nur leichter Sachschaden, niemand wurde verletzt.
Toni geht an normalen Poya-Tagen (= Vollmond ) mit den Kindern an den Strand - wegen Weihnachten ging er in die Kirche und so waren auch sie weit weg vom Wasser, als es passierte.
Die Familie von Ravi lebt nicht an der Küste, alle sind wohlauf.
29.12.2004 Ravi ruft Uschi an und fragt sie, ob wir ihm bei einer selbst organisierten Hilfsaktion helfen könnten. Er schickt ihr ein Mail, in dem er um Sachspenden für die Flutopfer bittet.
Uschi schickt es an ihre Freunde, an die Eltern der Montessori Privatschule GaLeMo und wir beginnen zu telefonieren.
Das Haus am Sonnenweg wird die nächsten Tage zur Krisenzentrale. Katharina wird zur Telefonistin, die aufschreibt, wen Uschi zurückrufen soll - alles Andere wird ziemlich unwichtig. Die Nächte sitzen wir immer noch vor dem Fernseher, zappen zwischen den Nachrichtensendern herum, BBC bringt die meisten Neuigkeiten aus Sri Lanka - die Bilder von Galle, das es nicht mehr gibt, wie wir es kennen und all der anderen Küstenabschnitte tun uns in den Seelen weh - heftige Monsunregen erschweren die Bergungsarbeiten.
30.12.2004 Die ersten Hilfsgüter werden zum Sonnenweg geliefert.
1.1.2005 Nicht nur wir haben einen ruhigen Silvester verbracht - es gab kaum Feuer- werke, die Stimmung scheint überall getrübt zu sein. Tagesgespräch ist bei allen Menschen und überall die Katastrophe.
Wir verbringen das Wochenende mit Sortieren, Verpacken und Beschriften der Bananenkartons, die Andy in den Supermärkten der Umgebung organisierte.
Die ersten werden zu Ravi gebracht, dessen Wohnung schon ziemlich geschrumpft ist - mehr Lager, denn Wohnraum.
5.01.2005 Hazi schickt Hilfsaufrufe und Adressen von NGOs, diversen Organisationen, die sich für Tsunami Relief einsetzen.
Frau L. Frühstück (GaLeMo- Mutter) hat in der Apotheke St. Andrä-Wördern um Hilfe gefragt, Fr. Mag. Ursula Zahlut ruft bei Uschi an - ein Medikamenten- Paket im Wert von € 1.000 sei abzuholen. Andy holt es, bringt es zu Ravi, es wird von DHL am
8.01.2005 nach Colombo geflogen, von dort wird es der Priester aus Batticaloa, der Ravi um Hilfe bat, abgeholt.
Nadee schickt NGO Volunteer Registration Details (von der UNO)
9.01.2005 Nadee berichtet über angelaufene Hilfsprojekte in Sri Lanka. Unsere Nichte, Frau B. Göttersdorfer, hat in der Badesiedlung Greifenstein für uns gesammelt, sie hat die letzten Tage bei eisiger Kälte (aus Platzmangel im Freien!) ebenfalls sortiert, verpackt, beschriftet - über zwanzig Bananenkartons haben ihre Bandscheibe erneut beleidigt. Wir holen alles ab und bringen es am
10.01.2005 zu Ravi. In unzähligen Telefonaten und Emails haben wir in den letzten Tagen parallel zu der Hilfsgütersammlung ein Projekt erarbeitet, das in der Zukunft so etwas wie ein Mini-Waisenhaus sein soll - das besprechen wir nach dem Transport.
Obwohl wir bereits eine Woche nach Anlaufen der Aktion allen mitgeteilt haben, dass keine weiteren Sachspenden mehr angenommen werden können - die AUA hat drei kostenlose Transporte zugesagt - hat sich alles irgendwie verselbständigt. Herr Bauer (GaLeMo-Vater) sammelt in seiner Arbeitsstelle (BA-CA), von dort dürfte sich die Lawine in Gang gesetzt haben - verschiedene Filialen rufen an und berichten, dass ihre Kunden mit Paketen ankommen. Der Betriebsrat der AUVA hat sich bereit erklärt, die Bitte von Erwin Göttersdorfer nach Sammlung von Hilfsgütern offiziell zu machen und so fährt Andy Non-Stop Kisten einsammeln und bringt sie zu Ravi.
1, 5 t werden von Ravi und seinen Freunden auf Paletten verfrachtet, mit Plastikfolie verpackt und in zwei Flügen an das Büro des Premierministers in Colombo geschickt. Hazi schickt weitere Berichte über angelaufene Hilfsprojekte in Sri Lanka.
11.01.2005 Charles Wardell hat zu unserer Unterstützung des Charity Home for Children-Projekts eine Internet-Webpage installiert.
Ich melde unser Projekt an die Ministerien für Inneres, für Auswärtige Angelegenheiten, UNO, UNHCR, UNICEF.
12.01.2005 Meine Brieffreundin Sharon aus Kansas, USA schickt ein Tsunami-Foto aus Indonesien, das unglaublich ist.
Toni nimmt Stellung zu unserem Projekt; die Kalkulation ist nicht viel daneben, er stellt Hilfe für später in Aussicht (in Form von sich vor Ort um Dinge kümmern) Ravi erhält ein Fax des Büros des Premierministers in Colombo, in dem Hilfsangebote begrüßt werden.
AUA gibt bekannt, dass es keine Gratis-Transporte mehr gibt. Wir beginnen fieberhaft, nach anderen Möglichkeiten zu suchen.
Anfertigen eines Briefpapiers, Mailformulars zum Anschreiben von Spendern, Verbreiten unseres Waisenhaus-Projektes, Aushang des Projekts, Handzettel zum Verteilen, etc.
17.01.2005
Hazi schickt das Bild der Landkarte von Sri Lanka vor und nach der Flutwelle - fast alle Küstenlinien stellen sich jetzt verändert dar. Die Lagune bei Trincomalee, die wir im November bewunderten, ist verschwunden, dafür hat die südliche Rundung der Insel bei Galle jetzt einen tiefen Einschnitt. Fast alle kleinen Einbuchtungen an der Ostküste sind einer geraden Linie gewichen.

Wir sind bestürzt darüber, dass die Medien aufhören, ausführlich zu berichten - nach den Zusagen für Geldmittel vieler Regierungen scheint alles wieder zu den eigenen Tagesordnungen zurückzukehren - wie enttäuschend!

 

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Before and after the Tsunami
18.01.2005 Ich verschicke Mails an die bisherigen Spender, an die Menschen, die uns zusagten, eine Patenschaft für das Waisenhaus übernehmen zu wollen, entwerfe entsprechende Formulare, erarbeite weitere Informationen für die Homepage, benachrichtige die Honorarkonsule Sri Lankas in Salzburg und München über unser Projekt, stelle es der Stadt Wien - Stadträtin Mag. R. Brauner - und dem BMbwk ("Partner aller Nationen") vor.
20.01.2005 Uschi stellt unser Projekt beim Elternabend der "Bunten Welt", Montessori Haus der Kinder in Greifenstein vor und verteilt unsere Handzettel. Das fällt ihr schwer, Sri Lanka ist fast eine zweite Heimat für sie, unsere Freunde sind ihre "zweite Familie", seit ihren Teenagertagen ist sie mit Sri Lanka verwandt und was geschah, trifft ihr Herz. Gabriele Domes, die Leiterin der "Bunten Welt", möchte bei künftigen Kinderhaus-Aktionen einen Teil des Erlöses unserem Projekt zur Verfügung stellen.
Mein Leben wäre ja viel einfacher, wenn ich gewandter im Umgang mit dem PC und dessen vielfältigen Programmen wäre - ein Abend ist der Integration von Uschis GaLeMo- und Freunde-Adressen in mein eigenes Adressbuch gewidmet - hurra, es ist geschafft.
Uschi hat im GaLeMo-Vater Herbert Machula jemanden gefunden, der über einen Freund bei der Spediteurs-Innung eine Möglichkeit sieht, unsere Hilfsgüter zu einem Hafen zu bringen, also habe ich in den letzten Tagen versucht, eine freundliche Reederei zu finden, die dann alles Antransportierte weiter nach Colombo verfrachtet. In Herrn Norbert Wowy bei Hapag Lloyd finde ich einen freundlichen Zuhörer.
Ravi muß den bisherigen Lagerraum, der eigentlich der Partyraum seines Wohnhauses ist, räumen - er findet ein Gratislager im 10. Bezirk und eines im Hotel Biedermeier im 3. Bezirk, wohin er alle Dinge - größtenteils bereits auf Palletten verpackt - bringt.
75 Kartons + 16 Säcke Winterbekleidung und Winterschuhe, die ebenfalls bei uns landeten, bringt Ravi zum "Würfel" - dort finden sich bestimmt Abnehmer dafür; in Sri Lanka nicht.
Noch haben wir 20 m³ Kleidung, Wäsche, Schuhe, Toiletteartikel und Medikamente, etc. plus 12m³ Haltbarlebensmittel, d.h. wir brauchen einen 20" Container. Herr Wowy wird unser Anliegen an die Zentrale in Hamburg weiterleiten.
21.01.2005 Ich schicke Herrn Wowy ein Mail - vielleicht hilft es ein bisschen nach. Wieder schicke ich Dank-Mails an Spender und stelle noch mehr Bekannten unser Projekt vor.
22.01.2005 Heinz und Uschis Familie haben ein Überraschungs-Geburtstagsfest für mich organisiert. In der GaLeMo Privatschule, deren Bewegungsraum man auch für Feste mieten kann, finden sich 36 meiner "alten" Freunde und Familienmitglieder mit 9 Kindern ein, die mich mit Blumen, Geschenken, Karten und netten Überraschungen hoch leben lassen. Wir genießen alle die gute Stimmung und ich stelle unser Projekt vor. In der aufgestellten Sammelbox befinden sich zum Abschied über € 700 - neben dem netten "Geburtstagsbuch" ein wunderbares Geschenk!
24.01.2005 An meinem 60. Geburtstag läutet sehr oft das Telefon. Nach einer Weile melde ich mich nur mehr mit "Hier spricht das Geburtstagskind". So auch, als Herr Norbert Wowy von Hapag Lloyd anruft. Er lacht und gratuliert mir auch, wie nett. Aber dann macht er mir wohl das Überdrüber-Geburtstagsgeschenk: Hapag Lloyd stellt uns tatsächlich den 20' Container gratis zur Verfügung und bringt unsere Hilfsgüter von Hamburg nach Colombo. Die näheren Details werden wir morgen besprechen.
Ich informiere noch den GaLeMo-Vater, Herrn Herbert Marchula, damit er die Frächter-Sache ins Laufen bringt.
Welch ein denkwürdiger Tag!
27.1.2005 Herr Michael Penitz von Hapag Lloyd schickt mir ein extralanges Mail, in dem genau beschrieben ist, welche Prozedur jetzt fällig ist.
Ich finde das alles ziemlich verwirrend, aber wir werden auch diese Hürde noch nehmen, da bin ich zuversichtlich.

Mittlerweile haben wir 15 Paten für unser Projekt, ich schicke allen per Post oder E-Mail das entsprechende Formular, bitte erneut Freunde von uns um Verbreitung und zerbreche mir den Kopf, wie wir zu unserer Ausgangskapital-Summe kommen können.

 

Batticaloa

 

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